Für das laufende Jahr 2026 sowie das kommende Jahr 2027 werden Mehreinnahmen von 54 Millionen Euro bzw. 57 Millionen Euro gegenüber den Ergebnissen der Mai-Steuerschätzung 2026 erwartet.
Die Einnahmeerwartungen des Landes können zwar in allen Schätzjahren gegenüber der vergangenen Steuerschätzung nach oben korrigiert werden. Aber auch mit dieser Anhebung der Einnahmeerwartung werden nicht die Ansätze erreicht, die noch der Planung des Landeshaushalts 2026/2027 zu Grunde lagen. Für das laufende Jahr werden die regulären Steuereinnahmen 129 Millionen Euro unter dem Haushaltsansatz liegen.
Gleichzeitig profitiert Thüringen allerdings letztmalig von einem Sondereffekt noch als Folge des Zensus 2022, der eine Einmalzahlung in Höhe von 120 Millionen Euro im bundesstaatlichen Finanzausgleich bedeutet.
Nur durch diesen Sondereffekt werden im laufenden Jahr 2026 annähernd die Haushaltsansätze erreicht. Für das Folgejahr 2027 werden Mindereinnahmen gegenüber dem Haushaltsansatz von 115 Millionen Euro erwartet.
Mit Blick auf das laufende Haushaltsjahr 2026 erklärt Ministerin Wolf: „In diesem Jahr werden wir annähernd die Einnahmen erreichen, mit denen wir im Haushaltsplan 2026 gerechnet haben. Somit ergeben sich einnahmeseitig keine Handlungserfordernisse im Haushaltsvollzug. Aber eben auch keine neuen Spielräume.“
Für das Haushaltsjahr 2027 schätzt die Finanzministerin die Situation hingegen anders ein: „Auch mit der leicht verbesserten Einnahmeprognose wird der Haushaltsvollzug 2027 sehr anspruchsvoll. Die absehbaren Mehrausgaben im Zuge der Umsetzung der Vorgaben zur verfassungsgemäßen Alimentation sowie die noch immer hinter den Ansätzen 2027 zurückbleibenden Einnahmeerwartungen werden nicht vollständig aus der bestehenden Rücklage gedeckt werden können.“
Einsparungen müssen im Haushaltsvollzug 2027 realisiert werden. Insbesondere vor diesem Hintergrund hatte sich das Kabinett bereits im Juli 2026 darauf verständigt, einen Teil der Ansätze für nicht-investive Ausgaben im Haushalt 2027 zu sperren.
Ministerin Wolf wirft auch noch einen Blick über die Jahre des aktuellen Doppelhaushalts hinaus: „Wir dürfen das Thema der Haushaltskonsolidierung nicht weiter aufschieben. Wenn wir die Krisenresilienz erhöhen und gleichzeitig Spielräume zur politischen Gestaltung des nächsten Doppelhaushalts 2028/2029 schaffen wollen, müssen wir an vielen Stellen Ausgaben kürzen oder zumindest ihr Wachstum bremsen.“
Die Haushaltsstrukturkommission der Landesregierung berät dazu mit jedem Fachressort mögliche Einsparmöglichkeiten. Auch ressortübergreifende Themen wie der Personalbereich sowie die Förderprogrammlandschaft des Landes werden auf ihren möglichen Konsolidierungsbeitrag untersucht. Ergebnisse sollen rechtzeitig zur Anfang 2027 beginnenden Haushaltsaufstellung vorliegen.
Im Vergleich zur Steuerschätzung vom Mai 2026 werden gesamtstaatliche Mehreinnahmen von 43,5 Milliarden Euro in den Jahren 2026 bis 2030 geschätzt. Für diese Jahre wird gleichzeitig ein Gesamtsteueraufkommen von 5.375 Milliarden Euro prognostiziert. Damit beträgt die vorgenommene Aufwärtskorrektur lediglich 0,8 Prozent der erwarteten Gesamteinnahmen.
Für die Thüringer Kommunen können die Einnahmeerwartungen ebenfalls nach oben angepasst werden. Im laufenden Jahr 2026 ergeben sich Mehreinnahmen von 50 Millionen Euro.
Im Vergleich zu den Ergebnissen der Mai-Steuerschätzung 2026 ergeben sich in den Jahren 2026 bis 2030 Mehreinnahmen von 302 Millionen Euro.
Grundlagen der Steuerschätzung
Die aktuelle Steuerschätzung basiert auf den gesamtwirtschaftlichen Rahmendaten der Herbstprojektion der Bundesregierung vom Oktober 2026. Danach wird für das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt für das laufende Jahr 2026 ein Anstieg von 1,3 Prozent erwartet. Gestiegene Exporte und staatliche Investitionen stützen maßgeblich das Wachstum.
Damit wird die bisherige Wachstumserwartung aus der Frühjahrsprojektion mehr als verdoppelt. Noch im April 2026 war die Bundesregierung von einem Wachstum von 0,5 % ausgegangen. Für das kommende Jahr 2027 soll das Wachstum 1,1 % betragen. Für die darauffolgenden Jahre werden Wachstumsraten von 0,6 % in 2028 und jeweils 0,9 % in den Jahren 2029 bis 2031 prognostiziert.
Ergebnisse für das Land Thüringen
Aus der Schätzung ergeben sich für Thüringen für die Haushaltsjahre 2026 und 2027 Einnahmen in Höhe von 10.403 Millionen Euro bzw. 10.573 Millionen Euro. Für die weiteren Jahre des Schätzzeitraums 2028 bis 2031 betragen die erwarteten Einnahmen 10.754 Millionen Euro (+43 Millionen Euro gegenüber Mai-Steuerschätzung 2026), 11.043 Millionen Euro +47 Millionen Euro), 11.351 Millionen Euro (+60 Millionen Euro) und 11.666 Millionen Euro.
Ergebnisse für die Thüringer Kommunen
Der verbesserte konjunkturelle Ausblick schlägt sich auch in den kommunalen Haushalten nieder. Für die Jahre 2026 bis 2030 summieren sich die Mehreinnahmen auf 302 Millionen Euro gegenüber den Ergebnissen der Mai-Steuerschätzung 2026. Im laufenden Jahr 2026 ergeben sich Mehreinnahmen von 50 Millionen Euro. In den Folgejahren kommt es zu Mehreinnahmen von 78 Millionen Euro in 2027, 56 Millionen Euro in 2028, 57 Millionen Euro in 2029 und 61 Millionen Euro in 2030.
Die Steuereinnahmen der Thüringer Kommunen wachsen von 2.379 Millionen Euro im Jahr 2026 auf 2.850 Millionen Euro im Jahr 2031. Dies entspricht einem Zuwachs von 471 Millionen Euro bzw. durchschnittlich 3,7 Prozent pro Jahr. Die Einnahmen der Thüringer Kommunen wachsen damit dynamischer als die des Landes (+2,3 Prozent pro Jahr).
